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Thema: KenFm - Tagesdosis

  1. #121
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    AW: KenFm - Tagesdosis

    Tagesdosis 6.12.2017 - Die SPD und Angela Merkels Bumerang



    Ein Kommentar von Rüdiger Lenz. Die SPD will nun doch und ganz ultimativ keine GroKo mehr. Sie plädiert für eine Minderheitsregierung. Das hat sie gestern endgültig entschieden. Ach was, Papperlapapp! Sie will mitregieren. Das sei, so die SPD-Führung und ganz wichtig, auch der SPD-Bundespräsidenten und Bundesschreihals Frank Walter Steinmeier, Regierungsverantwortung, und vor der laufe man ja schließlich nicht davon. Für Deutschland in die GroKo und in den SPD-Tod. Ob man dafür noch Worte übrig hat? Ein Kopfschütteln auf Lager hat? Merkels Steigbügelhalter sei die SPD, so unkt es allerortens durch die Republik. Die SPD würde ihr Profil dann gänzlich verlieren und ... Von was für einem Profil ist denn da überhaupt die Rede? Martin Schulz war der Todesstoß der Partei. Erinnern wir uns: Er wurde, und das ist SPD-Geschichte, mit einhundert Prozent der Stimmen zum Kanzlerkandidat gewählt. Das war die Götterdämmerung der Partei und lässt tief, sehr tief blicken. So einen, Entschuldigung, konturlosen Fuzzi habt ihr mit jeder euch zur Verfügung stehenden Stimme zum Oberhirten der Armen und Gebeutelten gemacht. Schon Sigmar „das Pack“ Gabriel war, gelinde gesagt, eine Zumutung oder besser, ein letzter Strohhalm. Vielleicht aber auch selbstprophezeihend ihr letzter Wille – nach der Willy Brandt-SPD. Denn die SPD hat ansonsten niemanden, der so sein kann, dass er will. Das er regieren und nach oben können will. Wollen wollen sie alle, nur können können sie nicht. Denn die Meisten sind ja schon oben. Sicher nicht in der SPD. Denn wer will schon in so einer SPD nach oben? Nur die, die ansonsten nicht nach oben kommen können. Die, die wirklich „was drauf haben“, die findet man nicht in einer Partei. Zumindest heutzutage nimmer mehr. Kommen wir nun zum Hosenanzug und zum Bumerang. Schmeißen wir nun den Bumerang zurück, den die Neulandchefin und Rautenkönigin Angela Merkel vor 18 Jahren ihrem Mentor „Jabba der Hutte“ alias Schlachtross, alias Hellmut Kohl, zugeworfen hatte. „Die Partei muss sich zutrauen, ohne ihr altes Schlachtross den Kampf aufzunehmen.“ Der Focus titelt: „Was Merkel vor 18 Jahren sagte, sollte ihr jetzt zu denken geben“. Sie richtete vor 18 Jahren ihre Worte an die CDU und meinte damit ihren Ziehvater Helmut Kohl. Ein Kanzler dieser Republik, der 16 Jahre im Thron saß. Nach Adenauer die zweitlängste Kanzlerzeit. Will Merkel Kohl überholen? Den Text aus dem Fokus hier in voller Länge. Zitat Anfang: „Angela Merkel hatte sich wohl einfachere Zeiten erhofft. Erst fuhr sie mit der Union das schlechteste Bundestagswahlergebnis seit 1949 ein, dann scheiterte die Regierungsbildung. Die Kanzlerin steht unter Druck. Schon vor der Wahl war die Debatte über einen Generationenwechsel in der CDU entflammt. Doch ihre Nachfolge hat Merkel bislang nicht geregelt. Das sollte sie jedoch möglichst bald angehen – zumindest, wenn sie ihren eigenen Worten von vor 18 Jahren glaubt. "Die Partei muss sich zutrauen, ohne ihr altes Schlachtross den Kampf aufzunehmen" Wörtlich schrieb Merkel im Dezember 1999 in einem Gastbeitrag für die „FAZ“: „Die Partei muss also laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross (...) den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen. Sie muss sich wie jemand in der Pubertät von zu Hause lösen, eigene Wege gehen.“ Merkel, damals Generalsekretärin, vollzog, was niemand zuvor in der CDU gewagt hatte: den offenen, radikalen Bruch mit dem damaligen Ehrenvorsitzenden Kohl. Die CDU steckte zu dieser Zeit wegen der Parteispendenaffäre in einer massiven Krise. Helmut Kohl wollte auch nach dem Ende seiner Kanzlerschaft die Namen der Spender nicht verraten, klebte weiter am Ehrenvorsitz.

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  2. #122
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    AW: KenFm - Tagesdosis

    Tagesdosis 7.12.2017 - Wer sammelt denn noch Briefmarken?



    Ein Kommentar von Bernhard Loyen. Heute mal nicht die große Politik. Jeden Tag beherrschen unschöne, tragische, zerstörerische, aufwühlende Nachrichten unser Dasein. Die Zeit verläuft schneller. Man sehnt sich nach Schönem und dem wohlig Ablenkendem. Nach einem Moment der Ruhe. Schallplatten & CDs contra Mp3. Bücher contra Ebooks. Fotoalben & Dias contra Instagram. Kataloge & Broschüren contra World Wide Web. Zeitungen & Magazine contra Blogs. Münzen & Scheine contra Kreditkarten. Postkarten & Briefmarken contra Twitter. Warum solch eine Aufzählung, solch ein Vergleich? In der Berliner Zeitung las ich folgende Mitteilung: Fachgeschäft muss schließen. Wer sammelt denn noch Briefmarken?[1] Der Artikel informierte darüber, das eine weitere Institution Berlins seine Pforten zum Ende des Jahres schließen wird. Ein Fachgeschäft für Briefmarken, ein aussterbendes Sammlerfeld, das der Philatelie. Es hätte in Berlin mal 100 Fachgeschäfte gegeben, nun noch fünf. Also nächstes Jahr dann vier. Sammlerfeld, was ist das denn wer denn etwaig jüngere Leser fragen. Nun ja, es gab Zeiten wo Menschen jung wie alt einer Sammlerleidenschaft nachgingen. Hatte man wenig Geld bat man Freunde oder Verwandte um Hilfe bei der Sammlungsvergrößerung. Später mit eigenem Geld, ging man bevorzugt auf Flohmärkte, oder Sammlerbörsen. Die seriösen solventeren Sammler gingen zum Händler ihres Vertrauens. In schwachen, oder betrübten Minuten und Phasen des Lebens konnte man sich beim Anblick der Objekte unkompliziert ablenken und vorallem erfreuen. Eine schlichte Freude, aber eine schöne und hilfreiche Versüßung des tristen Alltags. Es gab vielfältige Sammlergebiete, wie Kugelschreiber, Bierdeckel, Münzen, Comics, oder auch Würfelzucker. Den sammelte man zu Zeiten, als die Angestellte eines Cafes, oder einer Konditorei die schöne Frage formulierte: Möchte sie eine Tasse oder ein Kännchen Kaffee und dann lag auf der Untertasse ein Stück Würfelzucker mit dem Emblem des Etablissements. Die haben manch Mensch dann halt eingesteckt und gesammelt. Klingt verrückt, war aber so.Ist dann auch schon leider letztes Jahrhundert aus der Mode gekommen. Nun habe ich die Tage mit Bekannten die Frage erläutert, wie wohl Flohmärkte in dreißig Jahren aussehen werden. Es wird immer mehr weggeschmissen. Eine Generation entsorgt die Geschichte ihrer Vorfahren, sorgt aber gleichzeitig nicht für Nachschub für die eigenen Enkel. Was soll dann eigentlich zukünftig auf den Tischen liegen. Ebooks? Speichersticks? Festplatten ? Sim Karten? Es wird heute auch eifrig gesammelt. Likes, Bewertungen und Bonus Miles. Was jedoch fehlt ist jegliche Haptik. Wobei können sie denn so abschalten, wenn sie dann abschalten wollen? Also Abschalten im ursprünglichen Sinne. Sich schlicht erfreuen an einem Foto, oder einer alten Postkarte, dem Rascheln beim Durchblättern eines alten Magazins, dem Ton einer Schallplattee, oder CD. All das kann ungemein entschleunigen und tiefe Zufriedenheit erzeugen. Gönnen sie sich diese Erfahrung. Quelle

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  3. #123
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    AW: KenFm - Tagesdosis

    Tagesdosis 8.12.2017 - Krieg um Frieden in der Linken



    Ein Kommentar von Pedram Shahyar. Der Konflikt um eine relativ unbedeutende Preisverleihung an den Journalisten und Friedensaktivisten Ken Jebsen im Berliner Kino Babylon bekam in dieser Woche eine ganz neue Dynamik: Nachdem der Kultursenator Berlins Klaus Lederer unter Androhung der Streichung der öffentlichen Gelder das Kino Babylon zur Absage der Veranstaltung erpresste, solidarisierten sich drei bekannte Politiker der Linken mit KenFM und kündigten ihre Teilnahme an der Protestkundgebung gegen diesen Akt der Zensur am Donnerstag, den 14.12. an. Der Parteivorstand der Linken befasste sich mit dem Fall und daraufhin begann eine wahre Schlacht in den sozialen Medien und Foren der Partei. Die Führung der Linken ist völlig gespalten: Während die eine Seite den anderen Querfront vorwirft, sieht die andere Seite stalinistische Säuberungsmethoden gegen dissidente Stimmen. Worum geht es hier eigentlich? Hinter dem konkreten Fall liegt ein grundsätzlicher Richtungsstreit über die Zukunft der Partei Die Linken. Im Kern dreht es sich um die Frage der Friedenspolitik. Die Linke ist die einzige Partei im Deutschen Bundestag, die nach ihrer Programmatik eine Friedenspartei ist, Kriege und NATO-Politik entschieden ablehnt und nach ihrem Selbstverständnis Teil der Friedensbewegung sein will. Doch seit 2014 ist dies keine Selbstverständlichkeit mehr. 2014 eskalierte die globale Kriegsdynamik und der Militarismus. Brzezińskis Machtplan lief auf Hochtouren: der Bürgerkrieg tobte in der Ukraine. Europa und Russland wurden gegeneinander in Stellung gebracht, Eurasien zerrissen. Sanktionen gegen Russland wurden beschlossen, der Euro rutschte ab und die russische Wirtschaft stürzte in eine Krise. Hinzu kam: Raketenabwehrschirm, weitere NATO Osterweiterung, und massive Truppenverschiebungen und Übungen an der russischen Grenze. Der neue Ostkonflikt wurde festgezurrt. Nebenbei wurde Gaza eingeschlossen und bombardiert, während in Syrien die Großmächte einen Stellvertreterkrieg austrugen. Das ganze wurde begleitet von einer selten erlebten ideologischen Kriegsvorbereitung in den Medien: Putin war der neue Satan, und Russland angeblich die große Gefahr für den Weltfrieden. Selten hatte man die deutsche Medienlandschaft so glattgebügelt auf Eskalationskurs erlebt: wer sich für Dialog aussprach, galt als „Putinversteher“. „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.“ Von der „Friedenspartei“ Die Linke war aber außer einiger guter Reden von Frau Wagenknecht nicht viel zu sehen. Sie und die alten Strukturen der Friedensbewegung, die weitestgehend mit der Linken fusioniert waren, blieben erstaunlich passiv. Diese Passivität erschien als eine Art Fehlfunktion, eine Art „Bug“ im Getriebe der Linken. Doch zeigt sich im Verlauf der Auseinandersetzung, dass diese Passivität der Linken während dramatischer Eskalationen kein Zufall ist, sondern Produkt einer schleichenden und unscheinbaren Veränderung, die nichts Geringeres als die DNA der Linken als Friedenspartei angreift. Während in dieser Zeit Die Linke nicht viel mehr als Positionspapiere zustande bringt, die kaum jemand außerhalb ihrer Verwaltung wahrnimmt, wächst ein massives Unbehagen in der Bevölkerung: ein deutscher Außenminister, der ukrainische Nazis die Hand schüttelt, deutsche Panzer 150 Kilometer vor St. Petersburg, und Medien, die vollkommen einseitig gegen Russland schreiben...weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/

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  4. #124
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    Tagesdosis 9.12.2017 - Bitcoin: Alarmstufe Rot für Kleinanleger



    Ein Kommentar von Ernst Wolff . Der Bitcoin-Kurs ist in dieser Woche kometenhaft in die Höhe geschossen und veranlasst momentan immer mehr - vor allem junge - Kleinanleger, ihr Glück in der Spekulation mit Kryptowährungen zu suchen. Eine nüchterne Analyse der derzeitigen Situation des Finanzsystems und der Entwicklung der Kryptowährungen sollte sie allerdings sehr vorsichtig machen. Das globale Finanzsystem ist nach dem Beinahe-Crash von 2008 nur durch das Eingreifen von Staaten und Zentralbanken am Leben erhalten worden. Die Zentralbanken haben riesige Geldsummen geschaffen und sie zu immer niedrigeren Zinssätzen vergeben. Offiziell ist das geschehen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Tatsächlich aber hat es das internationale Finanzcasino weiter angekurbelt. Dieses Casino ist inzwischen vollkommen außer Kontrolle geraten. Allein der US-Börsenindex Dow Jones hat in diesem Jahr um 25 Prozent zugelegt, mehr als sechzig neue Rekorde aufgestellt und Großinvestoren riesige Gewinne beschert. Da die weitgehend stagnierende Realwirtschaft im Vergleich zum Finanzsektor erheblich geringere Profite bietet, suchen diese Investoren zurzeit händeringend nach anderen Möglichkeiten, das gewonnene Geld einzusetzen. Auf dieser Jagd haben sie die Kryptowährungen, allen voran Bitcoin entdeckt. Eigentlich waren die Kryptowährungen ja angetreten, um das Finanzsystem zu revolutionieren und die Macht der Banken zu brechen. Hintergrund ist die Blockchain-Technologie, die durch das direkte Verschicken von Geld in Form verschlüsselter Datensätze Überweisungen über Kreditinstitute überflüssig machen sollte. Der Finanzsektor aber hat auf seine Weise auf die Herausforderung reagiert: Er bekämpft oder ignoriert die Kryptowährungen nicht mehr, sondern verleibt sie sich ein. Inzwischen legen diverse Banken und Börsen Derivate auf, mit denen man auf die Kurssprünge beim Bitcoin wetten kann. D.h.: Der Bitcoin, einst von Kritikern des Bankensystems zu seinem Sargnagel erklärt, ist zum Bestandteil dieses Systems geworden – als Spekulationsobjekt. Das große Problem dabei ist, dass Kryptowährungen im Gegensatz zu allen ständig wiederholten Behauptungen ihrer Fürsprecher keine Währungen sind und darüber hinaus gegenüber vielen anderen Spekulationsobjekten einen riesigen Nachteil haben: Sie besitzen keinen inneren Wert. Damit unterscheiden sie sich zum Beispiel grundlegend von den Edelmetallen. Warum aber springen dann große Investoren in aller Welt auf den Bitcoin-Zug auf? Die Antwort ist simpel: Weil hier schnelles Geld zu holen ist und diese Leute wissen, wie man Märkte durch seine Marktmacht manipuliert. So haben Großunternehmen wie Apple, Google und Amazon ihre Aktienkurse in der jüngeren Vergangenheit durch Rückkäufe ihrer eigenen Aktien erheblich angetrieben. Die übermächtigen Zentralbanken sind noch weiter gegangen: Sie haben durch Anleihenkäufe ganze Staaten vor der Pleite bewahrt, um deren Banken (und so das globale Finanzsystem) am Leben zu erhalten. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Kryptowährungen wie Bitcoin nicht nur Teil des Finanzsystems geworden sind, sondern mittlerweile von den großen Marktteilnehmern nach deren Wünschen manipuliert werden können. Zudem hat der Hype um Kryptowährungen fürs globale Finanzsystem einen großartigen Nebeneffekt: Er entzieht den überhitzten Märkten Geld und sorgt so für eine leichte Entspannung. Wie lang wird das so weitergehen? Das kann niemand voraussagen. Es ist gut möglich, dass der Bitcoin-Kurs noch zulegt und sogar noch weitere Rekordmarken reißt. Aber das zeigt nur, wie stark das Interesse von Spekulanten an Bitcoin geworden ist und dass es mittlerweile zu einer prall gefüllten Blase am Markt geführt hat. Wann diese Blase platzen wird, werden vermutlich einige der ganz großen Player am Markt entscheiden. Niemand kann sie daran hindern, Absprachen zu treffen und urplötzlich aus dem Bitcoin auszusteigen. Dann allerdings werden wir einen historischen Crash erleben, der gewaltige Vermögenswerte vernichtet und bei dem vor allem Kleinanleger auf der Strecke bleiben werden...weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/

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    Tagesdosis 11.12.2017 - Die Mafia im Staat



    Ein Kommentar von Susan Bonath. Schwere Misshandlung, ein brutaler Verdeckungsmord, gemeinschaftliche Vertuschung, Bildung einer kriminellen Vereinigung: Das klingt wie die Anklageschrift gegen einen Mafioso. Tatsächlich es ist eine ganz aktuelle Story aus den niedersten Sümpfen des deutschen Staatsapparats. Der dieser Tage viel diskutierte Feuertod von Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle erlaubt einen Blick in den mafiösen Abgrund. Die Polizei hat den Sierra Leoner wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittel-Gesetz auf dem Kieker. Am Morgen des 7. Januars 2005 kommt der 36jährige betrunken aus einer Disko. Er fühlt sich außerstande, allein in die Asylunterkunft der Nachbarstadt zu fahren. In seinem Zustand bequatscht Jalloh eine Ein-Euro-Jobberinnen der Dessauer Stadtreinigung. Er will mit ihrem Handy Hilfe holen. Die Frauen rufen die Polizei, weil sie sich belästigt fühlen. Die nimmt den Mann mit, kettet ihn an Händen und Füßen rücklings auf einer feuerfest umhüllten Matratze in einer gefliesten Schlichtzelle fest. Vier Stunden später ist der Mann bis zur Unkenntlichkeit verbrannt – am helllichten Tag im Polizeirevier. Fast 13 Jahre lang tönt es aus den Reihen der Polizei, des Innen- und Justizministeriums, der ermittelnden Staatsanwälte und der Gerichte: Der Afrikaner habe sich selbst angezündet. Unabhängig von der Absurdität dieser Story weiß man seit fünfeinhalb Jahren, dass ein von der Polizei präsentiertes Feuerzeug mangels Spuren nie in der Zelle und beim Opfer gewesen sein kann. Man weiß, dass der Mann kein Kohlenmonoxid im Blut hatte, dass sein Adrenalinspiegel nicht erhöht war, dass er Schädel- und Gesichtsverletzungen hatte – alles Anzeichen für vorangegangene, mindestens versuchte Tötung und anschließende Verbrennung. Doch mehr als ein Dutzend Jahre schieben Ermittler, Gerichte und Politiker dem Gefangenen einen Selbstmord in die Schuhe. Eisern prügelt die Polizei Demonstranten bis zur Bewusstlosigkeit, weil sie der offiziellen Auffassung nicht folgen, und zerrt sie dafür auch noch vor Gericht. Der staatliche Regionalsender MDR lässt einen Reporter ins Mikrofon tönen, kaum einen Dessauer interessiere der in staatlicher Obhut verbrannte Asylbewerber. Klingt wie: Was kümmert uns ein toter Neger. Doch ungewollt beschreibt er damit die Situation, auf welche Polizei, Justiz und Politik setzen. Wo kein Kläger, da kein Richter. Nur Unterstützern der in Guinea lebenden Hinterbliebenen ist es zu verdanken, dass der Fall nicht nach drei Jahren unter den Teppich gekehrt werden kann. Sie organisieren mit viel Aufwand, dass eine Nebenklage möglich wird. Mit Spenden finanzieren sie Anwälte und eigene Gutachter. Sie zwingen den Dessauer Oberstaatsanwalt, weiter zu ermitteln – gegen den Druck der geballten Staatsgewalt und der Öffentlichkeit, die von dem Fall nichts mehr hören will. Sie geben keine Ruhe, bis ein Glied in der Schweigekette wackelt. Die Version vom Selbstmord ist medizinisch wie brandtechnisch ausgeschlossen. Als Oberstaatsanwalt Folker Bittmann aus Dessau das feststellt, beruft er sich auf acht Gutachter – Brandforensiker, Chemiker, Kriminaltechniker, Rechtsmediziner –, die einen erstmals ohne die Vorgabe »Selbstmord« durchgeführten Brandversuch ausgewertet haben. Sie alle attestieren, was Aktenkundige seit Jahren wissen und Experten seit langem feststellen. Bittmann erörtert ein mögliches Motiv: Verdeckungsmord, um Körperverletzung im Amt zu vertuschen und wohl auch, um zwei weitere ungeklärte Todesfälle im Revier nicht neu aufzurollen: Am 8. Dezember 1997 nahm die Polizei Hans-Jürgen Rose wegen Trunkenheit im Straßenverkehr fest. Nachdem sie ihn aus dem Dessauer Revier entließ, brach er mit schweren inneren Verletzungen zusammen. Es gab viele Hinweise auf Misshandlungen in der Polizeistation. Niemand ging diesen nach...weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/

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