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Thema: rationalgalerie.de - Uli Gellermann

  1. #1
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    rationalgalerie.de - Uli Gellermann

    Angela Merkels dreiste Lüge,

    dieser Artikel wurde mir von Herrn Uli Gellermann von Rationalgalerie zur Verfügung gestellt. Ich finde dies sehr interessant.

    KOLONIE DEUTSCHLAND

    Angela Merkels dreiste Lüge

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 12. Juli 2013


    Mit strahlend blauen Augen blickt die Kanzlerin in die Welt. Aber dass sie blauäugig sei, gutgläubig, dass wird niemand der machtbewussten Physikerin nachsagen wollen. Und doch hat sie jüngst gegenüber der ZEIT abgesondert, dass sie vom Abhörprogramm des US-Geheimdienstes erst "durch die aktuelle Berichterstattung Kenntnis genommen" habe. Die Merkel lügt. Dreist und unbekümmert. In der begründeten Hoffnung, dass sich die Aufregung in ein paar Tagen und Wochen legt, dass Gras über die Sache wächst und eine servile Medienlandschaft zu faul - zu dumm, zu abhängig - den Wahrheitsgehalt schon nicht überprüfen wird.

    "Personenbezogene Daten werden ausschließlich zu den im NATO Truppenstatut und in diesem Abkommen vorgesehenen Zwecken übermittelt", ist im Artikel 3 des Zusatzabkommens zum NATO-Truppenstatut zu lesen, und das niedliche Wort "ausschließlich" erweckt den Eindruck einer Daten-Weitergabebremse. Aber in Wahrheit meint es einschließlich: Denn die Dienste bespitzeln namentlich bekannte Bürger der Bundesrepublik wenn sie telefonieren, mailen, skypen, notieren was sie kaufen (amazon), was sie suchen (google) und welchen privaten Unsinn sie ihren Freunden mitteilen (Facebook). Und natürlich wissen sie auch, wo sie sich im Bedarfsfall gerade aufhalten. Das private Handy macht es technisch möglich, die untertänige Kooperation deutscher Dienste erleichtert das wesentlich.

    Das alles will der US-Geheimdienst wissen, das alles wird von der bundesdeutschen Administration durchgewinkt. Vorgeblich soll es eine parlamentarische Kontrolle geben. Das "Parlamentarische Kontrollgremium der Geheimdienste" hat sich jüngst mit der Erklärung der deutschen Geheimdienste zufrieden gegeben, dass es ihnen wie Merkel ginge, sie wüssten leider gar nichts über die geheimen Aktivitäten der Amerikaner. Da nickte das Kontrollgremium: Ja, wenn die deutschen Geheimdienste das sagen, was soll man da machen. Dazu fällt dem parteilosen Abgeordneten Wolfgang Neskovic, der jahrelang für die LINKE in diesem Gremium saß, ein: "Das Parlamentarische Kontrollgremium (verfügt) gar nicht über das technische Personal, um überprüfen zu können, welche Informationen sich in den Datenbanken der Nachrichtendienste befinden." Und weiter: "Bestimmte Informationen für das Parlamentarische Kontrollgremium (sind) gesetzlich tabuisiert. Arbeitet der BND mit Informationen ausländischer Dienste, verbietet das Gesetz ausdrücklich einen Kontrollzugriff hierauf - es sei denn, der ausländische Dienst stimmt dem ausdrücklich zu." Und schließlich kann die Regierungsmehrheit im Gremium jederzeit dem ohnehin nur tröpfelnden Informationsfluss den Hahn abdrehen. Und das macht sie auch gern.

    Die deutsche Kolonie, das Land eingeschränkter Souveränität, ist ganz wesentlich über die NATO kastriert. Allerdings auch über die eigene Untertänigkeit gegenüber den USA. Als die USA, auf der Suche nach Osama bin Laden, ihre Truppen nach Afghanistan senden wollte, war sie auf die Begleitung anderer Armeen höchst erpicht: Sie ließ (nach Artikel 5 des NATO-Vertrages) den Bündnisfall ausrufen. Die deutschen NATO-Vertreter riefen daraufhin bitte sehr, bitte gleich, obwohl kluge Völkerrechtler und der gesunde Menschenverstand sagten, dass die Fahndung nach einem vermeintlichen Verbrecher Sache der Polizei sei und keinesfalls einen Krieg rechtfertige, hat der Deutsche Bundestag mit der schönen, übergreifenden Mehrheit von CDU-SPD-GRÜNEN-FDP den Bündnisfall Jahr für Jahr verlängert. Als die Linkspartei (damals noch PDS) im Jahr 2002 um die Abgeordneten Bläss und Gehrcke im Parlament versuchte, den anscheinend lebenslangen Bündniskriegsfall auf ein geringeres Maß zu reduzieren, bekamen sie von der übergroßen Koalition eine Abfuhr: So viel Unabhängigkeit stand der Kolonie Deutschland offenkundig nicht zu.

    Irgendwo in Pakistan: Der deutsche Staatsbürger Bünyamin E. wird von einer amerikanischen Drohne erledigt. Nur selten tauchte diese Meldung in den Medien auf. Schon vom Namen her weiß man in den Redaktionen ja, woher der Wind weht. Schließlich stand der Mann auch noch im Verdacht Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein. Da machen die USA kurzen Prozess: Was schert sie ein Gerichtsverfahren, eine Verifizierung der Beweise. Was schert sie die Souveränität Pakistans? Rumms, Drohne auf den Kopf von Bünyamin, erledigt. Der Generalbundesanwalt Harald Range musste sich, weil Bünyamin nun mal einen deutschen Pass hatte, um die Hinrichtung juristisch kümmern. Und hat das Verfahren dann schnellsten eingestellt. Völkerrecht? Genfer Konvention? Grundgesetz? Als Anwalt in einer Kolonie darf man sich keine Illusion über seine Rolle machen: Hindukusch-kusch ins Körbchen, Herr Range.

    "Das Deutsche Volk", so steht es im Grundgesetz, "bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt." Aus Gründen der Ehrlichkeit sollte dieser Artikel einen Zusatz erhalten: Soweit die Vereinigten Staaten von Amerika dieses Bekenntnis billigen und diese romantischen Grundsätze der Politik der USA nicht im Wege stehen. Also los, Frau Merkel, worauf warten sie noch?


    Quelle

    LG.
    Geändert von zwirni (16.07.2013 um 13:17 Uhr)

  2. #2
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    Erlaubnis




    Hallo,

    ich habe von Herrn Gellermann die Erlaubnis bekommen seine Beiträge bzw. Gedanken zu vielen Themen bei und zu veröffentlichen. Ich finde die Beiträge von ihm auf http://www.rationalgalerie.de sehr gut und werde diese hier auch veröffentlichen.

    Es freut mich sehr diese euch ebenfalls zur Verfügung stellen zu dürfen.

    LG.

  3. #3
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    Die vereinigten terror-staaten

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    DIE VEREINIGTEN TERROR-STAATEN

    DIE VEREINIGTEN TERROR-STAATEN

    Alles nur, um die Welt frei und sicher zu machen

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 16. Juli 2013


    Als ich noch in einem dicken Bauch lag, war es ein amerikanischer Soldat - das Ende des zweiten Weltkriegs erlebte meine Mutter auf der Flucht vor dem Bombenkrieg auf dem Land in einer späteren Besatzungszone - der sie und mich mit einem Armee-Auto zu einer Gebärstation fuhr: "Na, Madam, ein Junge für den Führer?", fragte der Fahrer. Für diesen Spott hatte meine Mutter keinen rechten Sinn, ihr drohte eine Fehlgeburt. Der Mann mit dem Jeep schaffte die Gebärende rechtzeitig in ein Krankenhaus. Damals hatten die Amerikaner, gemeinsam mit anderen Alliierten, versteht sich, uns Deutsche von den Nazis befreit. Und, meine Mutter war sich da sicher, auch mein kleines Leben gerettet. Jedenfalls wurde ich kein `Junge für den Führer´. Dafür bin ich den Amerikanern bis heute dankbar. Was ist aus den USA, dem Land der Freien und der Befreier geworden? Eine Macht des globalen Terrors, die sehr schnell nach 1945 das Wort `Freiheit´ nur noch als Vorhang für die Kolonialisierung der Welt benutzte, als dekoratives Beiwerk in der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion, wie sie in der 1947 formulierten Doktrin des US-Präsidenten Harry S. Truman aufschimmerte, wenn er erklärte, die USA hätten künftig den „freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen".

    Noch vor der Truman-Doktrin, sie aber durchaus terroristisch vorwegnehmend, mischten sich die USA gemeinsam mit England bereits 1946 in den griechischen Bürgerkrieg ein: Auf der Seite jener Kräfte, die noch bis jüngst mit Nazi-Deutschland kollaboriert hatten. Dank britischer Truppen und amerikanischer Logistik konnte so die wesentliche Kraft des Widerstands gegen die Nazis besiegt werden. Die Geschichte hält in diesem Fall eine besondere, die Deutschen betreffende Ironie bereit: In der griechischen Guerillabewegung gegen die Wehrmacht hatten auch deutsche Widerständler wie Wolfgang Abendroth und Falk Harnack gekämpft. Nun machten die amerikanischen Befreier Deutschlands gemeinsame Sache mit den Freunden der Nazis von gestern, um diese Bewegung zu liquidieren. An dieser historischen Ungerechtigkeit leidet Griechenland bis heute.

    Schnell folgte 1950 der Korea-Krieg, der, unter dem Vorwand des Antikommunismus, eine einst antijapanische koreanische Befreiungsbewegung für den Herrschaftsanspruch der USA in Asien instrumentalisierte und Korea in einen drei Jahre währenden Krieg stürzte. Mich eroberten die USA damals völlig friedlich. Mir gefielen ihre Musik, vom Jazz bis zum Rock´n Roll, ihre wunderbaren Filme und ihr lässiger Stil, der sich so wohltuend vom verdrucksten Deutschland und seiner prätentiösen Obrigkeit unterschied. Völlig stillos fanden die Kubaner 1961 die Bombardierung ihrer Luftabwehrstellungen durch die US Air Force, die Kuba für eine Invasionsarmee reif bomben wollte. Mal wieder ging es angeblich um die Freiheit: Um die `Befreiung´ der Kubaner von einer nationalen Bewegung unter Fidel Castro, die sich gegen den Diktator Batista erhoben hatte, einen Mann, der sich mit Hilfe der amerikanischen Mafia an die Macht geputscht hatte. Erst in der Zeit amerikanischer Bomben wandte sich der aus bürgerlichem Milieu stammende Castro der Sowjetunion zu. Es sollte nicht das letzte sonderbare Ergebnis im amerikanischen Kampf gegen für die "Freiheit und Demokratie" sein.

    Brav lauschte ich 1964 in der Berufsschule der Erklärung des amerikanischen Bombardements in Laos als "notwendiger Verteidigung der Freiheit". Im Gefolge dieses ersten Angriffs wurden in den nächsten Jahren in Laos pro Einwohner etwa 2,5 Tonnen Sprengsätze abgeworfen. Bis heute haben die USA keine Reparationszahlungen an das kleine Land und seine geplagte Zivilbevölkerung geleistet. Hat mich in dieser Zeit die Nachricht über den Tonkin-Zwischenfall in meiner Lieblings-Jazz-Kneipe erreicht? Hat er mich überhaupt erreicht? Jedenfalls weiß man heute, dass dieser Zwischenfall, der das offene amerikanische Eingreifen in Vietnam begründen sollte, nie stattgefunden hat. Nicht vietnamesische Schnellboote hatten einen amerikanischen Zerstörer angegriffen, sondern umgekehrt. Für diese Fälschung war die NSA zuständig. Richtig, jener Geheimdienst der heute seine Finger in unsere Computer steckt und sein Ohr an unsere Telefone hält. Und wir haben von der Wahrheit im Golf von Tonkin nur erfahren, weil der mutige Pentagon-Mitarbeiter Daniel Ellsberg damals die betreffenden Papiere der Öffentlichkeit übergeben hatte. Ellsberg sagt heute: "Snowdens Whistleblowing gibt uns die Chance, etwas zurückzudrängen, was gleichbedeutend mit einem Putsch der Regierung gegen die US-Verfassung ist." Und er rät Edward Snowden dringend davon ab in die USA zurückzukehren, im drohe dort zumindest lebenslange Haft.

    Nach oder auch parallel zum Vietnamkrieg waren die USA 1965 mit 42.000 Marines zu Besuch in der Dominikanischen Republik, bombardierten sie im selben Jahr mal eben Kambodscha, initiierten 1977 einen zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg in El Salvador, finanzierten den Krieg der Contras gegen eine gewählte Regierung in Nicaragua, überfielen das kleine Grenada und `befreiten´ in dieser Zeit eine Reihe von lateinamerikanischen Bürgern von der Qual der Wahl, in dem sie Militärdiktaturen in deren Ländern errichteten. Prominentestes Beispiel war der 1964 vom CIA organisierter Militärputsch in Brasilien, der den Brasilianern eine schöne, diktatorische Friedhofsruhe bis ins Jahr 1982 bescherte. Im Namen der Freiheit, versteht sich.

    Ziemlich pünktlich nach der Auflösung der Sowjetunion, mit der den USA ein guter, alles Mögliche legitimierender Feind verloren ging, begann der Kampf gegen den islamischen Terror. Ein neuer Feind war geboren. Dass die USA - als sie den gegen das laizistische Regime in Afghanistan kämpfenden, fanatisch religiösen Mudschahidin Geld und Waffen in die Hand drückten - dem islamischen Terrorismus ein freundlicher Geburtshelfer waren, ist ein übler Scherz der Geschichte. Wenn man dazu weiß, dass die amerikanische Administration für mehrere Millionen Dollar Lehrbücher produzierte, in denen der Dschihad, der heilige Krieg propagiert wurde, bleibt das Lachen über diesen Witz in der Kehle stecken.

    Der amerikanische Vize-König, Joe Biden, hat dem deutschen Innenminister die Hand gedrückt. Als der mal fragen wollte, wie das denn so sei, mit dem Abhören. Man war sich ziemlich einig, dass Abhören schon sein muss. Wegen der Sicherheit und der Freiheit. Parallel zum Nicht-Austausch von Informationen über den Terror des Geheimdienstes laufen europäisch-amerikanische Verhandlungen über ein "Frei"-Handels-Abkommen. Das "Transatlantische Freihandelsabkommen" wird von der Regierung USA und den Kräften in der Europäischen Union gefördert, die an den Profiten aus der Globalisierung ein vitales Interesse haben. Mit gutem Grund nennt man die künftige Freihandelszone auch "Wirtschafts-NATO". Das Abkommen soll "Vorschriften abbauen", dahinter verbirgt sich der Abbau von Umweltauflagen, von gesundheitlichen Vorschriften und somit Qualitätseinbußen für unsere Umwelt und unser Leben. Vielleicht lassen sich ja auch die ohnehin schwachen deutschen Datenschutz-Vorschriften weiter abbauen. Denn die Europäer haben den Schutz ihrer Daten bisher nicht in die Verhandlungsmasse eingebracht.

    Manchmal, wenn ich mir statt Abendbrot Gedanken mache, frage ich mich, wozu mich die Amerikaner eigentlich befreit haben. Ihr Interesse an der Freiheit der Völker hat ebenso rapide nachgelassen wie ihre Neigung gewachsen ist, die Freiheit meiner informationellen Selbstbestimmung abzuschaffen. Immerhin bin ich kein `Junge für den Führer´ geworden. Auch sonst ist meine Lust geführt zu werden sehr gering. Ganz sicher will ich nicht an der Nase herumgeführt werden. Von einer Macht, die seit Jahrzehnten andere Länder und Völker terrorisiert, und unter dem Deckmantel des `Kampfes gegen den Terror´ unsere ohnehin begrenzte Freiheit ihrem Regime unterwerfen will.
    Quelle

    LG.
    Geändert von zwirni (16.07.2013 um 13:40 Uhr)

  4. #4
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    DIE RAF DER USA

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    DIE RAF DER USA

    DIE RAF DER USA

    Robert Redford: Aus dem Untergrund auf die Leinwand

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 16. Juli 2013

    Aus der Pressevorführung kommend erblicken die blassen Gesichter junger Kritiker das Tageslicht: Ein Politthriller, na schön, von Robert Redford, wird auch älter, was? Die Geschichte von "Die Akte Grand" hat einen wahren Hintergrund? Echt? Ja. Es waren die 70er. Die Truppen der USA marodierten in Vietnam. Jahrgang für Jahrgang junger Männer wurde eingezogen, nahm am Völkermord teil, kam nicht mehr nach Hause, oder eben doch: Mal ohne Beine, mal ohne Seele. Eine Ganze Generation junger Amerikaner wurde so verheizt. Überall auf der Welt erhoben zumeist junge Leute ihre Stimme gegen das Mörderland und seine Truppen. Auch und gerade in den USA. Und die Staatsmacht war bei der Niederschlagung der Proteste nirgendwo zimperlich. Auch und gerade nicht in den USA. Aus dem amerikanischen SDS (Studenten für einen Demokratische Gesellschaft) spaltete sich die radikale Gruppe der "Weathermen" ab, sie begriffen sich als eine "revolutionäre Organisation kommunistischer Männer und Frauen“. Als einer ihrer Verbündeten, ein Black-Panther-Aktivist von der Polizei regelrecht hingerichtet wurde, gingen die Weathermen in den Untergrund und erklärten dem Staatsapparat den Krieg. Soweit der reale Hintergrund für den Film.

    Jahrzehnte später, erzählt der Film, längst haben sich jene Weathermen, die man nicht hatte fassen können, scheinbar legalisiert. Falsche Namen, falsche Biographien, aber eben richtige Menschen. Einer von Ihnen ist der angesehene Anwalt Jim Grant (Robert Redford). Es ist ein kluger Schachzug, mit dem die Regie (Robert Redford) die Zuschauer für den Protagonisten einnimmt: Er erzieht seine zwölfjährige Tochter (Jackie Evancho) allein, und schon die ersten Dialoge der beiden strahlen jene familiäre Liebe ab, die dem Hollywood-Film so gut steht. Doch in die Idylle platzt ein junger ehrgeiziger Journalist (Shia Labeouf), der den Illegalen auf der Spur ist. Jim Grant weiß, dass, wenn man ihn erwischt, er wegen eines Mordes sitzen wird, den er nicht begangen hat. Und er weiß auch, wer aus seiner Vergangenheit bezeugen könnte, dass er unschuldig ist. Jetzt beginnt jene Flucht, jene Jagd quer durch die USA, die den Film zurecht als Thriller ausweisen. Schon auf dieser Oberfläche - der Film ist mit Susan Sarandon, Julie Christie und Nick Nolte über die Zentralfiguren hinaus gnadenlos gut besetzt - ist die Regiearbeit von Redford als intelligente Unterhaltung zu lesen. Doch Redford will offenkundig mehr.

    In eine der Einstiegs-Szenen wird in in einem furiosen Dialog zwischen Susan Sarandon, die eine der Weatherpeople war und nun aufgeflogen ist, und dem als Journalisten figurierenden Shia Labeouf jene Frage aufgeworfen, die von ewiger Gültigkeit ist: Darf man sich gegen Gewalt mit Gewalt zu Wehr setzen? Nicht, dass der Film eine gültige Antwort bereit hielte. Aber dass er sie aufwirft, dass er die Möglichkeit zulässt über heutige Gewalt nachzudenken, über Drohnen und Rohstoffkriege, über die Abhorchgewalt und die Gewalt des Hungers und der Demütigung, das führt den Film weit über die Spannungserzählung hinaus. Abgefragt wird auch die persönliche Verantwortung des Einzelnen: Ja, die Weathermen waren Terroristen, ja, sie warfen Bomben auf militärische Einrichtungen. Aber sie wehrten sich gegen ein System, das Menschenleben vernichtet. Und nein, die persönliche Verantwortung des Einzelnen macht nicht vor der eigenen Tür halt. Bis heute muss jeder überlegen, wie weit er für das, was sein Land, seine Armee, seine Polizei im eigenen und anderer Leute Länder anrichtet, geradestehen muss. Dass diese Lektion in Staatsbürgerkunde so leicht daher kommt, dass diese bittere Pille gegen Anpassung und Passivität so gut geschluckt werden kann, das ist dem Besten zu verdanken, was amerikanisches Kino vermag. Wenn doch das Land eine annähernd so gute Politik machen würde wie es Filme fertigt.

    Der Film kommt am 25. 7. 2013 in die Kinos.


    Quelle
    Geändert von zwirni (16.07.2013 um 13:39 Uhr)

  5. #5
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    DER FALSCHE KOLOSS

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    DER FALSCHE KOLOSS

    DER FALSCHE KOLOSS

    Peter Sloterdijks Blütenlese

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 12. Juli 2013


    Ein "Koloss der Ausdrucksgewalt, mündlich und schriftlich", erzählt Bernhard Klein über den Gegenstand seiner Bewunderung, Peter Sloterdijk. Klein hat jene etwa 30 Interviews des Philosophen ausgewählt und herausgebracht, die unter dem Titel "Ausgewählte Übertreibungen" jüngst erschienen sind. Nun versteht es sich, dass ein Herausgeber nicht in kritischer Distanz zu den Schriften seiner Wahl stehen muss. Aber er sollte sich auch nicht unbedingt als Epigone, als Nach- und Anbeter betätigen. Zumal Sloterdijk von Natur aus mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet ist, das keiner Ermunterung bedarf. So einer trabt gern hoch: "Seit zwanzig Jahren dominiert bei mir die Lebensform Familie", erzählt der Philosoph seinem Herausgeber, statt einfach zu sagen: Ich habe Frau und Kind. Und wenn er schon mal dabei ist, aus dem Hochtrab ins Vergallopieren zu geraten, dann macht er auch nicht einfach Urlaub, dann "gebe (ich) die Berechtigung des Urlaubs allmählich zu." Ich, Cäsar Sloterdijk, gewähre mir und allen anderen Urlaub. Statt loszuprusten schreibt Klein das tatsächlich auf.

    Manchmal gibt Sloterdijk den Schirrmacher - oder der hat bei ihm abgeschrieben - wenn er behauptet, die Rolle des Vermittlers, des Mediums sei von Personen auf Apparate verschoben worden. So, als ob die Apparate nicht von Menschen mit deren Interessen bedient würden: Hinter solchen mechanischen Vorhängen sind dann die Kräfte, denen die Apparate gehören, verschwunden und für nichts verantwortlich. So bleibt es nicht aus, dass der Philosoph die Binse zur Weisheit aufbläst: "Dass der Mensch ein Wesen ist, das im Kommen ist und im Gehen." Wenn er jetzt noch das Werden und Vergehen des Menschen nachschöbe, das Leben und Sterben, das Wachsen und Reifen, das Bleiben und Verschwinden, dann hätte er endgültig alle Trivialitäten abgearbeitet und könnte sich zu Ruhe setzen.

    Doch nicht so Sloterdijk. In einem Gespräch mit dem Vitra Design-Museum (gegründet von einem Möbelhaus) führt er uns tiefer und tiefer in das Stop-and-Go menschlicher Existenz ein: "Der Sinn von Geburten im allgemeinen besteht wohl darin, dass Wesen, die von innen kommen, einen Ortswechsel vollziehen . . ." Das formuliert der Berliner genauer und existenzphilosophischer, wenn er sagt: "Wenn Se reinkommen könn´ Se rausgucken." Weil der Philosoph solcher Abstraktion leider nicht fähig ist, muss er dann der Zeitschrift WIRTSCHAFTSWOCHE in einem Gespräch über Reichtum versichern: "In der PDS (Linkspartei) gibt es zudem einen linksfaschistischen Widerstandsblock, der unberechenbar ist, weil er ein antikapitalistisches Ressentiment organisiert." Wenn er das doch nicht organisieren würde, der Block, wäre er wenigstens berechenbar, sagt Sloterdijk. Ach. Und weil die Linkspartei ein Ressentiment, eine Abneigung gegen den Krieg und Hunger und Ausbeutung verursachenden Kapitalismus hat, deutet der Berufsphilosoph sie als linksfaschistisch. Als faschistisch galt und gilt die NSDAP. Die war mit allen nichtjüdischen Kapitalisten gut Freund. Mit Sloterdijk dürfen wir sie jetzt getrost vom Faschismusvorwurf freisprechen. Denn antikapitalistisch war sie wirklich nicht. Müssen Philosophen von irgendwas irgendeine eine Ahnung haben? Nö, sagt unser Peter und faselt weiter.

    Manchmal allerdings ist Sloterdijk unschuldig. Dann sind es seine Gesprächspartner, die ihn geradezu zwingen dummes Zeug zu erzählen. So Arno Frank für die "taz", wenn er zum Euro und der "Wohlstandssphäre Europa" fragt als gäbe es kein Hartz Vier, keine Banlieues, keinen Hunger in Portugal oder Irland. Alles ist ihm wohlständig. Dann muss der Philosoph einfach von der singulären, europäischen Großstruktur schwärmen, Hauptsache groß, Inhalt beliebig. Oder wenn Mattussek für den SPIEGEL, eine Assistenzfrage nach der anderen stellend, fragt: "Bringt nicht Schröder jetzt jene Reformen auf dem Weg, die eigentlich die CDU in den achtziger Jahren hätte betreiben müssen?" Da reicht für Sloterdijk kein einfaches JAWOLL, da muss er schnell noch die "Einheitspartei des Wohlstands" beschwören und hat mit der Einheitspartei nicht mal unrecht. Auch wenn vom Wohlstand nur in den höheren Regionen die Rede sein kann. Schöner Höhepunkt bleibt Thomas Macho, der dem Slotedijk das "Haus der Sprache" als "geheimnisvollen Ort" zuschiebt, damit der dann erzählen kann, dass die "Menschwerdung der Nebeneffekt einer einzigartigen Verwöhnung" sei und die Menschen deshalb ins Haus der Sprache eingezogen sind. Da ist selbst das biblische Märchenbuch genauer wenn es den Schöpfer zitiert, der den Menschen zuruft, dass sie ihr Brot mit Schweiß bezahlen müssen. Und bei Friedrich Engels hätte Sloterdijk nachlesen dürfen, dass die Sprache als erstes Handwerkszeug der Menschen entstanden ist.

    Was dürfen wir alles lesen: Dass die französische Bourgeoisie vor der Revolution schlankweg zu den Ausgebeuteten gehörte. Als habe der Philosoph nie von zum Beispiel dem vorrevolutionären Jacques Necker gehört, schwerreicher Bankier und Getreidespekulant, der natürlich nicht ausgebeutet wurde sondern selbst ausbeutete. Wer das von den Anfängen des Kapitalismus nicht wissen will, der kommt dann nahtlos dazu, dass man doch den Arbeitslosen nicht immer als "Mängelwesen" beschreiben solle, immerhin sei er doch frei von Arbeit. Und weil Sloterdijk in Wahrheit alles weiß, kommentiert er auch die Fußballweltmeisterschaft und kommt zu der verblüffenden Erkenntnis, dass der "entwickelte Kapitalismus" den "Arbeiter in Spieler, in Börsianer" verwandelt. So landen wir dann zwanghaft folgerichtig bei der These, dass die "über das Geld gesteuerte Meritokratie, wie sie über die Marktwirtschaft ermöglicht wurde, viel zur Entgiftung der sozialen Beziehungen beigetragen" habe. Mal wieder verwechselt Sloterdijk die Meriten, die Verdienste, mit dem, was sich Milliardäre in die Tasche stecken und was die deutsche Sprache leider schon mit dem Wort "verdienen" verschleiert. Und die Entgiftung sozialer Beziehungen wird man sich in der Art einer Kur des Doktor Eisenbart vorstellen müssen, der seine Patienten gern auch mit dem Todesschuss für immer kurierte: Gloria, Victoria, widewidewitt, bumm, bumm!

    Der Herausgeber der Gesprächssammlung, Bernhard Klein, wirbt zu Beginn für das Buch mit der Behauptung, er lege ein "Florilegum", eine Blütenlese vor. Wenn er damit hat sagen wollen, er versuche uns Falschgeld, Blüten anzudrehen, hat er so unrecht nicht. Denn wer wie Sloterdijk den Philosophen Hegel schlicht einen "Kollegen" nennt, so als hätten er und Hegel am selben Abflussrohr geschraubt, der ordnet sich falsch ein, der kann vor lauter Klopfen auf die eigene Schulter den Fehlschuss nicht mehr hören. Der schafft es tatsächlich, ein gefälschtes Leben als richtig auszugeben.

    Buchtitel: Ausgewählte Übertreibungen
    Autor: Peter Sloterdijk
    Verlag: Suhrkamp
    LG.

  6. #6
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    Die Lösung der Griechenland-Frage




    DIE LÖSUNG DER GRIECHENLAND-FRAGE


    Kind für Kind gut selektiert


    Quelle


    DIE LÖSUNG DER GRIECHENLAND-FRAGE

    Kind für Kind gut selektiert

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 18. Juli 2013


    Finanzminister Schäuble fährt nach Griechenland. Denn das Land braucht weitere 10 Milliarden Euro. Obwohl, dank der von der Troika verordneten Sparpolitk, Griechenland in Armut versinkt, werden weitere "Sparanstrengungen" nötig sein. Das ist geradezu ein Gebot der vor uns liegenden Bundestagswahlen. Auch wenn die Prostitution in Griechenland im Gefolge der Armut um 1.500 Prozent gestiegen ist. Wenn auch die Zahl der Obdachlosen um 30 Prozent gesteigert wurde, wenn jeden Tag 1.000 Erwerbstätigen gekündigt wird, die Geburtenrate fällt und die Kindersterblichkeit - als Folge der Kürzungen im Gesundheitswesen - um 40 Prozent angestiegen ist: Griechenland wird weiter kürzen müssen. Aber Schäuble geht es nicht nur um Kürzungen. Er will auch die schlechten Nachrichten aus den Medien raus haben. Deshalb hat er seinen "Wissenschaftlichen Beirat" beauftragt, eine Lösung der Griechenlandfrage zu finden: "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende", hat er den Beirat wissen lassen. Und die Wissenschaftler haben ihm ein Papier mitgegeben, das die Griechenlandfrage lösen wird. Es liegt uns vor und wir veröffentlichen es vorab:

    Sehr geehrter Herr Minister Dr. Schäuble,

    die schlechten Nachrichten aus Griechenland sind vorrangig den Armutsbildern zu verdanken. Ein erster Schritt wäre deshalb ein Image-Wechsel. Die griechische Regierung muss als erstes die Obdachlosen aus dem Bild der Städte verschwinden lassen. Hier bietet sich eine geräuschlose Deportation in einsame und unwegsame Landschaften an. Das Deportationsprogramm sollte unter dem Namen "Landluft macht frei" als eine Art Landtourismus verkauft werden. Damit würden auch die Bilder von Bettlern und Müllfressern weitgehend verschwinden. Das deutsche "Technische Hilfswerk" könnte die Unterkünfte für die Land-Lager bauen und damit zugleich demonstrieren, dass wir Deutschen immer hilfsbereit sind.

    Zwar plant die Athener Regierung bereits 4.000 Lehrer in abgelegene Regionen zu versetzen und zehntausend Teilzeitlehrer zu kündigen, aber das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Wir empfehlen den Lehrbetrieb komplett einzustellen. Wer immer weniger Arbeitsplätze hat, der braucht auch keine Bildung. Es wird sich doch im Umfeld der Regierungskoalition eine Jugendorganisation finden, die mit dem Slogan "Schulfrei für alle Zeiten" eine positive Bewegung auslöst, deren Forderungen dann von der Regierung erfüllt werden würde. Mit der Einsparung lässt sich mindestens eine weitere Bank retten.

    Tatsächlich haben die griechischen Behörden den Gesundheitsetat bereits von 24 auf 16 Milliarden Euro gekürzt. Deshalb gibt es zum Beispiel nicht mehr genug frische Nadeln für die Spitzen der Drogensüchtigen und so steigt die HIV-Erkrankungs-Rate drastisch an. Wenn man also gar keine Nadeln mehr ausgibt und die teuren Medikamente für die Aidskranken streicht, kann man mit einer schnellen Erledigung des Problems rechnen. Die Regierung sollte u. E. diese Veränderung im Gesundheitswesen unter dem Stichwort "Kampf den Drogen" vermitteln. Möglicherweise lässt sich aus der Verweigerung der Aids-Hilfe auch noch ein "Kampf gegen Unmoral" entwickeln.

    Auch wenn die Sterberate in Griechenland langsam nach oben weist - der Anstieg der Selbstmorde um ein Drittel in den letzten zwei Jahren hat daran einen gewissen Anteil - ist das Tempo des griechischen Aussterbens doch ungenügend. Immer noch gibt es einen Überhang unnützer Esser, Leute die auf Straßen und Plätzen herumlungern und bei denen, trotz aller Kürzungsmaßnahmen, die Kraft immer noch für Demonstrationen und Kundgebungen reicht. Dazu kommt, dass die bisherigen Einsaprungen die griechischen Rückzahlungen an EU und IWF nur tröpfeln lassen. Man wird deshalb zu Schritten raten müssen, die frisches Geld in Griechenlands Kasse spülen.

    Was Griechenland, trotz steigender Säuglingssterblichkeit, immer noch genug hat, das sind Kinder. Insbesondere die nicht arbeitsfähigen Kinder belasten den Staatshaushalt über Gebühr. Auch wenn jetzt bereits drei von zehn Kindern an der Armutsgrenze vegetieren und man hoffen könnte, das Problem würde sich durch den Hungertod lösen: Es gibt einfach zu viele Kinder. Wir schlagen deshalb ein ungewöhnliches Export-Produkt vor: Gut genährte und gepflegte Kinder sollten selektiert und den europäischen Luxusrestaurants als neue Delikatesse angeboten werden. Zwar scheint die Maßnahme ungewöhnlich und könnte erst einmal auf Widerstand stoßen, aber mit zwei gut angelegten Marketing-Kampagnen - eine, die sich an die Kunden richtet, eine andere, mit der die Lieferanten angesprochen werden - wird sich der anfängliche Widerstand schnell auflösen.

    Für die Kunden sollte mit dem Slogan "Zum Fressen gern" der Aspekt der Empathie herausgehoben werden: Ja, wir haben euch Griechen zum Fressen gern, stehen euch durchaus nahe, sehen eure Probleme und fressen sie sozusagen auf. Auch der bisherige offizielle Slogan des Landes "Als Fremder kommen, als Freund gehen", könnte, leicht abgeändert, noch weiter genutzt werden: "Als Freund kommen, gut genährt gehen", würde sich anbieten. Vor allem aber müssen die vielen TV-Kochsendungen einbezogen werden, in denen griechische Kinder - mal in kretischem Olivenöl knusprig gebraten, mal in Retsina mariniert - für den Feinschmecker zubereitet werden. Vielleicht lässt sich sogar Udo Jürgens Lied "Griechischer Wein" relaunchen. Etwa so: "Griechischer Wein, dazu ein zartes Baby, schenk noch mal ein, danach nen Ouzo may be, Griechischer Wein, ja der ist fein."

    Die Marketingstrategie für die Lieferanten wird ungleich schwieriger sein. Man wird hier auf die Antike zurückgreifen müssen. Unter dem Begriff pharmakós (φαρμακός) gab es offenkundig schon in der Antike Menschenopfer, "wenn Seuchen, Hungersnot, Krieg oder sonstige Krisen und Gefahren befürchtet wurden oder eingetreten waren" wie uns Wikipedia berichtet. Autoren wie Aristophanes und Demosthenes haben über diese Rituale berichtet. Und wer wollte bezweifeln, dass sich das moderne Griechenland in einer schweren Krise befindet? Und ist aus dem altgriechischen Wort φάρμακον pharmacon, also Heilmittel, nicht das neugriechische Wort φαρμακείο, Apotheke geworden, ein Ort, aus dem die Heilmittel stammen? Uns scheint diese Ableitung plausibel. Neben dem Appell an die große Geschichte Griechenlands und der Heilmittel-Argumentation braucht die Inlands-Kampagne natürlich auch einen Slogan. Zu Beispiel diesen: "Dein Kind für unser Land!" Oder: "Heute ein Problem - morgen ein Exportschlager".

    Sehr geehrter Herr Minister,

    wir sind sicher, dass vor allem unser letzter Vorschlag das aktuelle Finanzproblem lösen würde und, lange genug umgesetzt, sogar eine Endlösung der Griechenlandfrage ins Auge gefasst werden kann.

    Der Wissenschaftliche Beirat des Finanzministeriums
    Quelle

    LG.

  7. #7
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    BENJAMIN NETANJAHU Europäische Union soll Apartheid finanzieren



    BENJAMIN NETANJAHU


    Europäische Union soll Apartheid finanzieren

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    BENJAMIN NETANJAHU

    Europäische Union soll Apartheid finanzieren

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 22. Juli 2013


    Benjamin Netanjahu macht mal wieder den dicken Maxe: "Als Israels Ministerpräsident werde ich es nicht zulassen, dass hunderttausende Israelis, die in Judäa, Samaria oder den Golanhöhen und in Jerusalem, unserer unteilbaren Hauptstadt, ansässig sind, zu Schaden kommen." Das mächtige Israel droht der Europäischen Union. Denn die EU hat doch tatsächlich gewagt, über ihr eigenes Geld zu entscheiden. Künftig will sie keine israelischen Unternehmen oder Organisationen mit Sitz in den nach dem Krieg 1967 besetzten Gebieten mehr fördern. Das, so befindet König Benjamin, sei ein "äußeres Diktat in Bezug auf unsere Grenzen."

    Das "Diktat", die hemmungslose Verweigerung von Geld, soll sich auf Jerusalem beziehen, eine Stadt, die nach dem UN-Teilungsplan von 1947 (die einzige völkerrechtlich verbindliche Grundlage für den Status von Jerusalem) ein "corpus sanctus", "ein abgesonderter Körper" sein sollte. Eine internationale Stadt, regiert von den UN durch einen Treuhänderrat und einen Gouverneur. Die Wirklichkeit: Die Israelis haben sich Jerusalem längst unter den Nagel gerissen. Auch die Golanhöhen würden unter den EU-Finanz-Stop fallen, nach allem internationalen Recht ein Gebiet, das Syrien gehört. Die Wirklichkeit: Von Israel widerrechtlich besetzt. Und dann will Benjamin der Große auch weiterhin Geld von der EU für die biblischen Gebiete Judäa und Samaria haben. Gegenden, in denen, nach dem Märchenbuch der monotheistischen Religionen, vor etwa 2000 Jahren Menschen jüdischer Religion gewohnt haben sollen. Die heutige Wirklichkeit: Im West-Jordanland leben etwa 2,4 Millionen Menschen, 83 Prozent davon sind nach israelischer Sicht Eingeborene (von der zivilisierten Welt Palästinenser genannt) mit minderen Rechten, und 17 Prozent Weiße (von der Völkergemeinschaft Besatzer genannt), die nach israelischem Brauch alles dürfen. Dieses Verhältnis, geschützt von der israelischen Armee, gesteuert von der Regierung in Tel Aviv, gilt gemeinhin als Apartheid.

    Bevor nun wieder jemand aus der Israel-Lobby lauthals "Antisemitismus" schreit, die Fakten: Eine unabhängige Fact-Finding-Mission der Vereinten Nationen hat vor einiger Zeit einen Bericht über die israelische Siedlungspolitik vorgestellt. Er bestätigt, dass sich die Siedlungspolitik nicht von der Apartheid unterscheidet, wie sie in Südafrika praktiziert wurde. "Die drei wesentlichen Charakteristika der südafrikanischen Apartheid waren institutionalisierte Diskriminierung, Repression und territoriale Vertreibung. Der Bericht der Fact-Finding-Mission kommt zum Schluss, dass sich das System der Siedlungen durch diese drei Charakteristika auszeichnet." Zitiert nach NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, in den deutschen Mehrheitsmedien ist so was nicht zu lesen.

    Die UNO-Kommission stellt erstens in Bezug auf Diskriminierung fest, dass in den besetzten palästinensischen Gebieten zwei Rechtssysteme bestehen: Eines für Siedler und eines für Palästinenser. Außerdem wird hervorgehoben, dass Siedler einen "gegenüber Palästinensern bevorzugten Rechtsstatus" geniessen und dass "in den besetzten Gebieten rechtlich ein Sonderregime gilt", das "für Palästinenser in den besetzten Gebieten eine Vielzahl von täglichen Menschenrechtsverletzungen zur Folge hat, darunter die unbestreitbare Verletzung des Rechts auf Nichtdiskriminierung, auf Gleichheit vor dem Gesetz und auf gleichen Schutz durch das Gesetz". Die Kommission stellt zweitens fest, dass die Palästinenser vielfältigen Repressionsmassnahmen durch das israelische Militär und die Siedler ausgesetzt sind.

    Die Bewegungsfreiheit der Palästinenser ist eingeschränkt, weiß die Kommission, ebenso ihre Rede- und Versammlungsfreiheit, wobei es "im Kern darum geht, einen reibungslosen Alltag der israelischen Siedler zu gewährleisten". Zudem wenden Siedler Gewalt gegenüber Palästinensern an und zerstören deren Eigentum: Häuser, Schulen und landwirtschaftliche Flächen. Sie werden vom israelischen Militär nicht daran gehindert. Drittens beschreibt der Bericht ein System von Häuserzerstörungen, Zwangsräumungen, Zwangsumsiedlungen, Vertreibung und Enteignung, das den Siedlern zugutekommt. Eine halbe Million Siedler in 250 Siedlungen lebt auf Palästinenserland: "Die Siedlungen", so die Kommission, "sind für die exklusive Nutzung durch israelische Juden errichtet. Die Siedlungen werden durch ein System vollständiger Trennung zwischen Siedlern und der übrigen Bevölkerung in den besetzten palästinensischen Gebieten unterhalten und ausgebaut. Das System der Trennung wird durch eine strenge militärische Kontrolle und Strafverfolgung unter Beeinträchtigung der Rechte der palästinensischen Bevölkerung durchgesetzt und ermöglicht. Diese Sorte von Apartheid will die EU demnächst nicht mehr direkt finanzieren.

    Aber König Benjamin will das "nicht zulassen". Der gelernte Architekt Netanjahu ist zwar in Israel geboren aber in den USA aufgewachsen. Auch deshalb versteht er sich mit den Siedlern im Westjordanland so gut: Nicht wenige von ihnen kommen direkt aus Brooklyn in das gelobte Land, das ihnen nach einem obskuren göttlichen Recht angeblich gehört. Es sind dann militärische Einheiten wie die "Sajeret Matka", in der auch Netanjahu diente, die mit besonderer Brutalität den Schutz der illegalen Siedler übernehmen. Dieser "Schutz" hat jüngst eine neue Variante erfahren: Damit die weißen Siedler nicht mit den farbigen Palästinensern in einem Bus fahren müssen, gibt es seit März getrennte Busse. Von nun an werden Palästinenser, die mit einem israelischen Bus fahren möchten, aufgefordert, stattdessen palästinensische Busse zu nutzen. In den USA, dort hat Netanjahu in Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology studiert, ist die Rassentrennung in Bussen seit 1964 aufgehoben. Aber die "Neger" Israels bekommen eben eine Sonderbehandlung.

    Nur wenige Tage nach Netanjahus haltloser Empörung über die EU gab der israelische Ministerpräsident dem deutschen Zentralorgan der Israel-Lobby, der WELT AM SONNTAG, ein Interview. Dort sagte er über den designierten iranischen Präsident Hassan Rohani der sei ein "Wolf im Schafspelz". Denn der lächle immer und baue trotzdem heimlich an der Atombombe weiter. Netanjahu weiß worüber er redet: Die israelische Atom-Bombe ist schon lange fertig. Und das beste was man über den Israeli sagen kann, ist, dass er nicht lächelt. Im Gegenteil, erneut drohte der Mann dem Iran mit Krieg. Benjamin Netanjahu ist erschreckend ehrlich, er ist der Wolf im Wolfspelz.
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    LG.

  8. #8
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    AMERIKA Ein Land im Abendlicht



    AMERIKA

    Ein Land im Abendlicht

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    AMERIKA

    Ein Land im Abendlicht

    Autor: Achim Engelberg
    Datum: 22. Juli 2013


    Die Rezension von Achim Engelberg erschien zuerst in den BLÄTTERN FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK. Die "Blätter", wie sie gern genannt werden, zählen zu den wenigen linken, intellektuellen Publikationen von Bedeutung. Zum Herausgeberkreis gehören u. a. Norman Birnbaum, Jürgen Habermas, Saskia Sassen, Jens Reich und Friedrich Schorlemmer. Die Arbeit von Engelberg ist in der RATIONALGALERIE gekürzt veröffentlicht.

    Der niederländische Publizist Geert Mak fuhr am 50. Jahrestag der Reise John Steinbecks auf der dadurch klassisch gewordenen Route quer durch die Vereinigten Staaten - Amerika nicht nur mit der Seele suchend, sondern auch mit dem Verstand. Bereits sein viel gelesenes "In Europa - Eine Reise durch das 20. Jahrhundert“ war inspiriert von John Steinbecks "Die Reise mit Charley. Auf der Suche nach Amerika. Der Autor des die Epoche der großen Depression symbolisierenden Meisterwerks "Früchte des Zorns fürchtete im Jahre 1960, 58jährig, den Kontakt zu den einfachen Menschen zu verlieren, aus deren komplizierten Problemen er für seine Welterfolge schöpfte. Den Veränderungen in den gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen seines Landes wollte Steinbeck nachspüren.

    Jeder europäische Amerikareisende – von Alexis de Tocqueville bis eben zu Geert Mak -vergleicht den alten Kontinent mit der neuen Welt, ist doch das Land der gewünschten unbegrenzten Möglichkeiten in Abgrenzung zu den damals dynastisch und ständisch geprägten europäischen Kolonialmächten entstanden. Im Gegensatz zum benachbarten Kanada, das britische Kronkolonie blieb, lösten sich die USA vom alten Kontinent. Dieser habe zu viel Geschichte und zu wenig Geographie, zitiert Mak den Historiker Boorstin, Amerika dagegen eher wenig Geschichte, aber einen Überfluss an Geographie.

    Interessant auch, was John Steinbeck bereits 1960 beobachtete und das wir heute als geschichtsträchtig ansehen: Während seiner Reise tobte der Wahlkampf zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon, der erste, den auch ein Fernsehduell entschied. Beide Kandidaten sind die ersten in einer langen Reihe "vorgefertigter Politiker" ohne Werte, also auch ohne Geschichtsbewusstsein. Der scharfsinnige Historiker Arthur M. Schlesinger Jr. sagt uns durch Geert Mak: "Das Produkt, das Kennedy verkaufen will, ist sein Programm, das Produkt, das Nixon zu verkaufen versucht, ist er selbst."

    Aber nicht nur auf den Höhen des Geistes und der Macht, sondern auch in den Schluchten des Alltags erblickt Geert Mak ein Land im Abendlicht: In Phoenix erkennt er an den zittrigen, faltigen Händen der Verkäuferin, dass diese auf die 80 zugeht. Bei Gesprächen in Diners hört er besorgte Eltern klagen, dass es ihren Kindern nicht besser gehen werde als ihnen, sondern schlechter: "Der Niedergang der kleinen und mittelständischen Betriebe, dessen Anzeichen schon Steinbeck wahrnahm, hat sich fortgesetzt."

    In der ehemaligen Boomtown und Autometropole Detroit mehren sich Ruinen, manche sehen in ihnen künftige Besuchermagneten, vergleichbar denen der antiken Stätten von Rom bis Ephesos. In den noch belebten Vierteln ballen sich soziale und ökonomische Probleme: "Massenemigration, eine schrumpfende Wirtschaft, Globalisierung; und dazu gesellt sich der Zerfall der alten sozialen Strukturen wie Familie und Nachbarschaft."

    Nicht mehr die Autoindustrie, sondern die Wall Street symbolisiert das neue Amerika. Treffend kommentiert Geert Mak: "Wie in Russland der Inlandsgeheimdienst FSB das Personal für Spitzenpersonen im Staatsapparat liefert, so liefert in den Vereinigten Staaten immer wieder Goldman Sachs die Schlüsselfiguren, die über die Ausrichtung der Finanzpolitik bestimmen.“

    Dass die USA immer noch eines der reichsten Länder der Welt sind, zeigt ihre militärische Präsenz: Weltweit agieren sie von ungefähr 1000 Militärbasen in rund 120 Ländern. Anders als im Römischen Reich oder dem Britischen Empire geht es ihnen aber "nie um Beziehungen, die endlos währen können". Kühl weist Geert Mak auch das Geschwätz von Robert Kagan und anderen Neokonservativen zurück, die Amerikaner kämen vom Mars, die Europäer von der Venus: „Allein im Ersten Weltkrieg starben auf französischer Seite 1,3 Millionen Soldaten - die Anzahl der amerikanischen Soldaten, die in allen Kriegen des Landes - mit Ausnahme des Sezessionskriegs - von 1776 bis heute gefallen sind, ist nicht halb so hoch.“

    Die Veränderung der weltpolitischen Kräfteverhältnisse geht einher mit einem Widerspruch innerhalb der Unterschichten – dem zwischen den „eigenen Interessen und politischer Einstellung“. Verunsichert vom Wandel, vertrauten viele einem reich geborenen, sich gemein machenden George W. Bush, der anscheinend ihre Werte vertrat, aber ihre Möglichkeiten drastisch einschränkte.

    Freilich, Amerikaner erfanden mit Google, Apple, Amazon und Facebook bestimmende Produkte des frühen 21. Jahrhunderts. Aber sie verharren "in vielen lebenswichtigen Bereichen, vor allem was den Energiesektor, den Umweltschutz und die Infrastruktur“ betrifft, in vergangenen Zeiten.

    Die Fülle von Geert Maks Gedanken und Erinnerungen, Beobachtungen und Lektüren ist so spannungsreich, dass man das Buch in einem Zug lesen möchte. Froh können seine Leser sein, dass er die Reise zu Ende führte, allerdings ärgert sich auch der Publizist Geert Mak manchmal über zu lässige Erfindungen des Nobelpreisträgers von 1962, John Steinbeck. Und in der Tat sollte man auf seinem Feld der Tatsachen mit Vorsicht ernten. Wenn dieser Begegnungen erfindet, stellt er oft das Spektrum von Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten dar. Die drei Anhalter, die er angeblich hintereinander in den Südstaaten mitnimmt, scheinen aus verschiedenen Personen zusammengesetzt, aber der unterwürfige Schwarze, der weiße Rassist und der radikale Schwarze geben dennoch treffend die Gemengelage wieder, die wenige Jahre nach Steinbecks Reise zu Unruhen führte und schließlich zur Aufhebung der Rassentrennung.

    Kompositorisch verwebt Geert Mak dicht verschiedene Gattungen - Reisebericht, Geschichtsschreibung, Literaturkritik - zu einem eigenen Genre, in dem Erzählen und Analysieren sich spannungsreich und dadurch spannend vereinen. Das Ergebnis: erschreckend in seiner Diagnose, beglückend in seiner Erzählung.

    Buchtitel: Amerika! Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten
    Autor: Geert Mak
    Verlag: Siedler
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  9. #9
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    ENTVÖLKERT EUROPA



    ENTVÖLKERT EUROPA

    Krönungsmesse für `Angela die Erste´

    wieder ein genialer Beitrag von Uli Gellermann!

    Quelle Rationalgalerie

    ENTVÖLKERT EUROPA

    Krönungsmesse für `Angela die Erste´

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 25. Juli 2013


    Es sei alles sehr sparsam gewesen, maulte einer der Königs-Kommentatoren im deutschen Fernsehen. Da dankt ein belgischer König ab, ein anderer kommt, und die Wechsel-Aufführung reicht nur für eine kleine Sondersendung. Immerhin, die deutschen Medien haben sich gründlich mit weltbewegenden Fragen auseinandergesetzt: Dem Fehltritt des alten Königs, dem Autismus des neuen, und was man sonst an royalen Intimitäten hat auftreiben können. Der rasante Anstieg der belgischen Schulden spielte in der Berichterstattung keine Rolle. Obwohl der fünfte Platz Belgiens im Ranking der europäischen Staatsverschuldung schon eine Betrachtung wert gewesen wäre.

    Dieser Mangel an fiskalischer Recherche kann daran liegen, dass der brave deutsche Mainstream die Parole der Kanzlerin - alles sei gut in der EU, jedenfalls bis zur Bundestagswahl - zur Redaktionsmaxime erhoben hat. Denn was das Europäische Statistik-Amt in diesen Tagen referiert, ist brisant: An der Spitze des europäischen Schuldenwachstums liegt natürlich Griechenland. Die Quote stieg dort im Vergleich des Vorjahreszeitraums um 24 Prozentpunkte. Wie viel Milliarden Nachschlag an Rettungshilfe Griechenland bekommen wird, möchte die Regierungskoalition auch erst nach den Wahlen verkünden. Seit 2010 pumpt die EU Geld in das Land. Immer mit der Aufforderung, es möge sparen. Und das macht die griechische Regierung auch. Zwischenzeitlich sind, sparen hin sparen her, die Schulden weiter gewachsen und ein Ende ist nicht abzusehen. Aber auf einem Gebiet wächst die griechische Exportquote: Im vergangenen Jahr sind 23.800 Griechen allein nach Deutschland ausgewandert.

    An zweiter Stelle liegt das rettungsbeschirmte Irland mit einem Anstieg um 18,3 Prozentpunkte. Rund 85 Milliarden hatte die EU den Iren zugesagt. Und wer sich erinnern mag, der hat die Versicherungen noch im Ohr: Alles wird gut, wenn die Iren nur tapfer sparen. Die Iren sparen sich vor allem die Bevölkerung. Jedes Jahr verlassen rund 50.000 junge Iren ihr Land, denn zeitweilig betrug die Jugendarbeitslosigkeit 30 Prozent. Die irischen Banken scheinen saniert zu sein, und wenn die Auswanderung weiter so schnell wächst, dann wird sich das Land auch sanieren: Wenn niemand mehr in Irland wohnt, haben alle Sorgen ein Ende.

    Aus Portugal, dem ärmsten Land Europas, wandern noch ein paar Menschen mehr aus: Im vergangenen Jahr waren es rund 52.000. Im Schuldenranking liegt das Land auf einem soliden dritten Platz. Das im Mai 2011 zugesagte Rettungspaket von 78 Milliarden für Portugal hat das arme Land noch ein wenig ärmer gemacht. Experten vergleichen die aktuelle Auswanderungswelle mit der Massenmigration der 1970er-Jahre. Wetten, dass irgendein Sprecher der unsäglichen Bundesregierung auch das als Erfolg verkaufen wird? Vielleicht so: Exodus aus Portugal macht Platz für Deutsche an der Algarve.

    Dass sich die italienische Auswanderung in den letzten 12 Monaten um 30 Prozent gesteigert hat, liegt unter anderem daran, dass etwa 60 Prozent der jungen Italiener als "unterbeschäftigte Teilzeitkräfte" arbeiten müssen. Noch hat das Land keine Hilfe aus dem EU-Rettungsschirm beantragt, aber das WALL STREET JOURNAL ist sich sicher: Italien wird in den kommenden sechs Monaten um Rettung bitten. Immerhin rangiert die Republik mit einer Schuldenquote von 130 Prozent auf Platz zwei der europäischen Schuldenländer. Bis zum Jahr 2014 laufen italienische Staatsanleihen im Volumen von 487 Milliarden Euro aus. Um die Gläubiger bedienen zu können, wird der Rettungsschirm aufgespannt werden müssen. Der hält aber nur 500 Milliarden Euro bereit. Und nachdem die Ratingagentur Fitch vor ein paar Tagen 18 spanische Banken herabgestuft hat, geht man davon aus, dass die Spanier noch mal mindestens 100 Milliarden aus dem Schirm brauchen werden. Diese Lage kann dann ganze Länder entvölkern.

    Noch rettet sich das europäische System der Guten-Nachrichten-Verbreitung mit den Königshäusern: Es ist ein Junge, god save the baby, erfährt man aus dem Vereinigten Königreich. Nicht, dass die englischen Schulden geringer geworden wären, man liegt auf dem achten Platz, direkt hinter Frankreich. - Den Belgiern könnte man in ihrer Lage die Einsparung des Königshauses empfehlen: Das brächte im Jahr mehr als 11 Millionen Euro. Auch auf der Einnahmeseite wäre einiges zu verändern: Deutsche Konzerne wie Bayer, BASF und Volkswagen profitieren erheblich von Steuerschlupflöchern in Belgien. In Irland zahlen Unternehmen - wenn sie überhaupt Steuern zahlen - geringe 12,5 Prozent Steuern auf ihre Gewinne. Der Steuerwettbewerb in der EU galt bisher als Anreiz zur Wirtschaftsentwicklung. Am Beispiel Irland ist das Modell wie folgt: Andere Ländern stopfen die Löcher im Staatshaushalt, die aus den geringen Einnahmen resultieren. Nur konsequent wäre, wenn alle EU-Länder auf alle Steuern verzichteten, damit sich die begonnene Völkerwanderung beschleunigt. Ein Europa ohne Völker, besiedelt von ein paar Banken und Börsen, scheint der Traum europäischer Politik zu sein. Eine Krönungsmesse für `Angela die Erste´ könnten sich die Europäer dann in irgendeinem Ausland ansehen.
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  10. #10
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    Verantwortung oder sabotage



    VERANTWORTUNG ODER SABOTAGE

    Herrschende Verhältnisse durch gute Besserung überwinden

    Quelle Rationalgalerie

    VERANTWORTUNG ODER SABOTAGE

    Herrschende Verhältnisse durch gute Besserung überwinden

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 24. Juli 2013
    Gut, dass Jakob Augsteins Buch SABOTAGE kein Krimi ist. So darf man, ohne die Regeln zu verletzten, das Ende verraten: Ein bisschen Gewalt muss bei der Besserung der Gesellschaft sein, schreibt der Besitzer des FREITAG und auch: "Ist es denkbar, dass die Sabotage eine Funktion hat?". Die Frage wird damit begründet, das jene, die sich an die Regeln kapitalistischer Demokratie halten, brav demonstrieren und dann ebenso brav wieder nach Hause gehen, in ihrer Konformität nichts bewirken. Aber jene, die zum Beispiel mit Eisenkrallen auf Oberleitungen Eisenbahnen sabotieren, die fallen auf, die sind nicht systemkonform, die werden vom Staat bekämpft und gewinnen so an Bedeutung. Aber dann gibt es noch einen zweiten Schluss, der das Verhalten des Kapitäns der schiffbrüchigen COSTA CONCORDIA als Gleichnis nimmt und erzählt, dass der Kapitalismus seiner Verantwortung gerecht werden muss: "Wir sind eingewoben in einem Netz aus Verantwortungen. Es gibt daraus keine würdevolles Entkommen." Wir? Wer ist Wir? Das Dem-Kapitalismus-Entkommen findet seine Würde im Widerstand, nicht in einem Veranwortungsnetz.

    Ein Farbbeutel wird zu Beginn des Buchs gefüllt und mit ihm das Wort RADIKALITÄT eingeführt und auch die Überlegung, "wir" hätten die Verantwortung delegiert, lebten in einem "trübsinnigen Kapitalismus" und deshalb "sei es zu wenig, bei der Wahl seine Stimme abzugeben". Das mit den Wahlen ist einer der Wahrheiten des Buchs. Doch nach der Wahrheit kommt unmittelbar der Unsinn: Da folgt das Geld seiner "Natur" als ob es keine Herren hätte und wenn "die Märkte sprechen könnten, würden sie von uns verlangen zu schweigen". So wenig wie Augstein das "Wir" erklären will, so wenig hält er sich mit der Analyse von Geld und Markt auf, benennt die scheinbar anonymen Kräfte nicht, die Markt und Geldfluss regeln, bleibt im Gewölk des Feuilletons, allzeit gut formuliert, selten fundiert. Nicht, dass man ihm Absicht unterstellen muss. Tapfer geht er die Reichen an, die immer reicher werden. Er stellt fest, dass europäisches Sparen die Ungleichheiten weiter vergrössert und weiß zu schreiben, dass der Kapitalismus die Demokratie nicht braucht.

    Es ist Augsteins einerseits-andererseits, das sein Buch so ärgerlich macht. Eben noch eine Erkenntnis mit den Händen erzählt, dann gleich mit dem Hintern wieder eingerissen. Es ginge nicht um Gerechtigkeit, sondern um das Maß der Ungerechtigkeit, schreibt er, als würde nach zehn Zentimetern Unrecht das eigentlich Schlimme beginnen. So ab zwölf vielleicht? Immer wieder taucht bei ihm der Begriff "Leute" auf und der Autor schenkt ihnen leutselig seine Aufmerksamkeit und weiß, woher auch immer, das die Leute nicht nach Gleichheit suchen, denn "umfassende Gleichheit ist eine Illusion, töricht oder gefährlich, oder beides." Und außerdem: ". . . die Leute haben nichts gegen Reichtum." Erst wenn er zu öffentlich wird, dann. Ungenauigkeiten wo man auch hinliest: Im Osten, schreibt Augstein, sei die Wirtschaft zusammengebrochen. Vom tatsächlichen Raubzug keine Rede. Und er zitiert zustimmend den IWF-Volkswirt, Michael Kumhof, der die "Instabilität" des Finanzsystems in der Ungleichheit sieht. Jener unter zehn oder jener über zehn Zentimeter fragt man sich unwillkürlich und vermisst das Wort Profit doch ganz erheblich.

    "Gegenüber diesen (den) Konzernen hat sich der Staat im Laufe der vergangenen Jahre selbst entmachtet", steht im Buch, so als hätte es zuvor keinen Staatsmonopolistischen Kapitalismus gegeben und als sei die neue, globale Quantität bereits eine neue Qualität. Das hindert den Autor nicht an so klaren Sätzen wie: "Wir haben ein Einnahmeproblem, kein Ausgabeproblem", wenn er sich dem Begriff "Schuldenkrise" als falsches Etikett für die Bankenkrise verweigert. Aber was nützt das alles, wenn er mit einem Interview von Oskar Negt im Buch folgende politische Handlungsempfehlung unter die Leute streut: Der SPD sei mit der Linkspartei der linke Flügel verloren gegangen und der solle doch am besten wieder zurückkehren. Gregor Gysi statt Erhard Eppler als linkes Feigenblatt der SPD? Sahra Wagenknecht, die neue Herta Däubler-Gmelin? Tut mir leid Oskar Negt, aber das ist Stammtisch.

    So muss Augstein dann auch behaupten, dass die Linkspartei sich von der SPD abgrenze, obwohl es im Gegenteil das öffentliche SPD-Abgrenzungstheater von der LINKEN alle Wahlen wieder gibt: Ungefragt schwört der jeweilig SPD-Kandidat immer wieder, dass er nie und nimmer mit der Linkspartei koalieren werden. Aus der falschen Behauptung rechnet Augstein den ebenso falschen Schluss hoch: "Die Überwindung dessen, was die Linken gern die `herrschenden Verhältnisse´ nennen, kann in Deutschland nur in ihrer Verbesserung liegen."

    Augstein hat in seinem Buch beträchtliche Mengen Kenntnisse und Erkenntnisse gesammelt. So viele, dass man trotz der falschen Schlüsse geneigt sein könnte zu hoffen, dass es beim nächsten Buch zu mehr Klarheit langt. Es ist eine kleine Bosheit, die dieser Hoffnung nur wenig Chancen gibt. Der FREITAG-Inhaber zitiert zustimmend die ehemalige FREITAG-Herausgeberin Daniela Dahn, von der er sich vor einem Jahr im Unfrieden getrennt hatte: "Das Primat der Politik kann nur über die Selbstermächtigung der Bürger zurückerobert werden." Nicht nur, dass er den Dahn-Satz mit "Jetzt müsste man nur noch klären, wie das zum machen ist" relativiert. Er verweigert der Dahn - anders als allen anderen, die er zitiert - sowohl einen Platz in der Bibliographie als auch bei den Nachweisen des Buches. Wer also dem klugen Dahn-Wort, eingebettet in eine schlüssige Analyse und Beweisführung, nachspüren möchte, der sollte sich mit dem Original (Daniela Dahn, Wir sind der Staat) beschäftigen.

    Buchtitel: Sabotage
    Autor: Jakob Augstein
    Verlag: Hanser


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    LG.

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